Wer nicht wegfährt, kann auch nicht heimkommen: Was ich wirklich auf Reisen gelernt habe

Wer nicht wegfährt, kann auch nicht heimkommen: Was ich wirklich auf Reisen gelernt habe

Selbstfindung. Auch wenn der Begriff abgedroschen klingt und ihn manche deshalb nicht mögen, steckt so viel darin. Vor allem, sich selbst kennenzulernen. Denn wer sich mit all seinen Facetten auseinandersetzt, beschäftigt sich automatisch auch mit der Welt um ihn herum. Und wer sich am Ende ein bisschen besser selbst versteht, kann auch andere besser verstehen. Darum geht es beim Reisen. Das ist der Kern. Um ihn zu finden, müssen wir nur losgehen; denn wer nicht wegfährt, kann auch nicht heimkommen.

„Reisen hat viel mit Selbstfindung zu tun“, dachte ich mir, als ich um 5 Uhr morgens in das Flugzeug stieg, das mich von San Francisco zurück nach München bringen sollte. Hinter mir lagen zwei Wochen Kalifornien, randvoll gefüllt mit dem Gefühl von endloser Freiheit – ein Versprechen, mit dem Kalifornien seine Besucher lockt. In meinem Fall wurde es eingehalten: Ein Roadtrip von Los Angeles nach San Francisco, das Zusammenleben mit fünf Menschen, die ich nicht kannte, pinkfarbene Sonnenuntergange am Santa Monica Pier, mit Nutellatoast am frühen Morgen gemeinsam im noch kalten Sand sitzen, das Fahren über die Golden Gate Bridge durch nächtlichen Nebel – was ich erlebt habe, war für mich unglaublich.

Die Reise nach Kalifornien vor sieben Jahren hat demnach mein Leben verändert. In mir ist der unstillbare Wunsch gewachsen, alle paar Wochen aufzubrechen und ein neues Land kennenzulernen.

Nach Kalifornien kam der Jakobsweg. Ich war Anfang 20, hatte keine Ahnung, wohin mit meinem Leben und reihte mich ein in die rastlose Generation Y, der ich angehöre. Zwei Wochen lang bin ich jeden Tag acht Stunden gelaufen, habe Menschen kennengelernt, deren Geschichten mich nicht nur berührt, sondern mir gezeigt haben: Ich bin hier nicht alleine. Auch wenn ich den Weg selbst gehe, gibt es genügend Leute, die mich dabei begleiten.

 

Nach einigen gängigen Reisezielen in Europa und der ganzen Welt, ging ich schließlich nach Malawi, ein Land, das ich vollkommen unterschätzt hatte. Um eine Hilfsorganisation bei der Arbeit begleiten zu können, packte ich letztes Jahr meine Sachen und flog für drei Monate in das kleine Land in Ostafrika, dokumentierte während der Woche die Arbeit der Organisation und saß am Wochenende unter den Sternen am Lagerfeuer – mitten im Busch, mit Elefanten, die an mir vorbeiliefen und den Geräuschen wilder Natur. Malawi ist rückblickend genau das Land, das all meine Empfindungen und Gedanken zum Reisen aufzeigte: Es ist lehrreich und kann anstrengend sein, es ist augenöffnend und bildend, es ist fantastisch und herzergreifend zugleich. Reisen ist das Leben selbst, und zwar im Schnelldurchlauf.

„Gehen, um zu bleiben“ ist nun das Buch, das ich in meinen Händen halte und in dem ich mich in 15 Geschichten mit einigen Fragen beschäftigt habe: Wie gehe ich damit um, wenn ein Roadtrip, den ich alleine mache, ins Wasser fällt? Was löst es in mir aus, wenn ich auf dem Grund des Meeresbodens sitze und bunte Fischschwärme an mir vorbeiziehen sehe? Welche Gedanken habe ich, wenn mir ein Mensch erklärt, dass die Schönheit seines Landes nur den Touristen etwas bringt, weil er bettelarm ist und sich täglich um sein Überleben sorgt?

Diese drei Beispiele stehen für Momente, in denen ich mich fern von daheim und ganz allein mit mir selbst auseinandergesetzt habe – in Italien, im Indischen Ozean vor Mauritius und in Malawi. Diese drei und noch zwölf weitere Reisen haben mich dazu inspiriert, das Buch zu schreiben und mir letztendlich die Frage zu stellen, ob ich mich unterwegs besser kennengelernt habe – und warum dieser Prozess so wichtig ist. Denn genau das hat mich das Reisen gelehrt: Dass ich nicht nur meinen Koffer packe oder Rucksack schnüre, um ferne Länder zu sehen und Erlebnisse von der Bucketlist zu streichen. Es geht mir darum, mich dabei selbst kennenzulernen.

Willst du dich auch selber auf Reisen finden?

Hier sind einige meiner Tipps:

1. Mach dir keinen Druck

Eine Reise darf mal in die Hose gehen und du darfst auch mal einen schlechten Tag haben. Sich selbst unter Druck setzen, macht nur hibbelig und meist schlechte Laune.

2. Plane weniger

Das steht in Zusammenhang mit Tipp Nr. 1, denn wer viel plant, neigt dazu, weniger spontan zu sein und sich erneut Druck zu machen, wenn der Plan nicht aufgeht. Außerdem reist man dann oftmals mit einem Tunnelblick, immer mit dem Fokus auf das nächste Ziel. Die Schönheiten am Wegesrand werden dadurch schnell übersehen, was die Reise eigentlich erst spannend macht.

3. Schreibe ein Reise-Tagebuch

Oldschool, aber so schön. Schreiben hilft, tägliche Erlebnisse zu verarbeiten und man kann sich später viel besser daran erinnern. Du musst keinen Roman verfassen, ein paar Notizen oder Skizzen reichen auch. Tipp: Leg noch Eintrittskarten oder U-Bahn-Tickets dazu und fertig ist die Erinnerungs-Collage. Wenn du Jahre später darin blätterst, hast du einen direkten Vergleich zu deinem damaligen Ich.

4. Hör auf dein Bauchgefühl

Denn es hat immer Recht. Und darauf zu hören, kann man trainieren. Dein Bauchgefühl kann dir (viel besser als dein Kopf) sagen, ob du etwas tun möchtest oder lieber lassen willst. Außerdem schärft es Menschenkenntnis und das ist auf Reisen ein ziemlicher Vorteil.

5. Finde Ruhephasen

Jede Reise gleicht (zumindest manchmal) einer Reizüberflutung. Wer sich währenddessen keine Ruhephasen gönnt, in denen er sich für ein paar Stunden zurückzieht, dem fällt es schwerer, die Eindrücke zu ordnen und zu reflektieren. Es reicht schon, wenn du einfach mal entscheidest, den Sonnenuntergang alleine zu genießen, anstelle mit der Gruppe aus dem Hostel um die Häuser zu ziehen.

Über die Autorin

Anika Landsteiner schreibt auf ihrem Blog über (nachhaltiges) Reisen, Momentaufnahmen und über das Leben zuhause und unterwegs. Folge ihr auch auf Instagram. Ihr Buch „Gehen, um zu bleiben“ gibt es seit Mai zu kaufen.

 

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Über den Autor

Rayhana El-Mahgary

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