Nachhaltig reisen: Wie geht das eigentlich und warum ist es so wichtig?

Nachhaltig reisen: Wie geht das eigentlich und warum ist es so wichtig?

Alle reden von Nachhaltigkeit. Vom bewussten Reisen, von Öko-Lodges, vom Müllproblem der Ozeane. Der Green Lifestyle ist bei den meisten von uns in irgendeiner Form angekommen und damit er nicht als oberflächlicher Instagram-Hype missverstanden wird, ist es gerade jetzt unglaublich wichtig, dass wir uns ernsthaft mit dem Thema des nachhaltigen Reisens auseinandersetzen.

Was bedeutet nachhaltiges Reisen?

Plagt dich auch manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn du ins Flugzeug steigst? Als ich angefangen habe, mich mit meinem ökologischen Fußabdruck zu beschäftigen, schwoll eine Frage so groß an, dass sie am Ende wie ein Elefant im Raum stand und ich sie nicht mehr ignorieren konnte: Wie lässt sich Nachhaltigkeit mit Reiselust vereinbaren? Oberflächlich betrachtet nämlich gar nicht, aber wer genauer hinschaut, findet viele Lösungen.

Es gibt drei große Säulen, auf denen der nachhaltige Tourismus steht:

  •         die ökologische Säule: zum Beispiel der Naturschutz am Urlaubsziel
  •         die wirtschaftliche Säule: zum Beispiel die Unterstützung lokaler Anbieter vor Ort
  •         die soziale Säule: zum Beispiel die Förderung kultureller Projekte am Reiseziel

Wie sieht die Praxis aus und was kannst du selbst tun?

Die ökologische Säule – CO2, Plastik und Co. vermeiden

Das Flugzeug ist eins der größten Probleme bei der ökologischen Perspektive, denn die CO2-Emission pro Fluggast ist enorm. Wichtig ist hier beispielsweise, die Länge des Urlaubs an die zurückgelegte Strecke anzupassen. Konkret heißt das, nicht für sieben Tage in die Karibik zu fliegen, sondern für mindestens 14 oder gleich den gesamten Jahresurlaub dort zu verbringen. Ein zweiter Tipp: Sich im Urlaub oder auch zuhause fleischarm ernähren, denn die größte CO2-Belastung liegt nach wie vor der Massentierhaltung zugrunde.

Ein weiterer Punkt, der sich eigentlich selbstverständlich anhört und doch halten sich so wenige daran: Den Müll, der beispielsweise am Strand oder beim Wandern produziert wird, auf keinen Fall liegen lassen, sondern einpacken und später richtig entsorgen. Ein guter Tipp ist hier, eine Trinkflasche von zuhause mitzunehmen, statt immer wieder Plastikflaschen im Supermarkt zu kaufen. Einfach vorab informieren, in welchen Ländern man unbedenklich das Leitungswasser trinken kann (Funfact: Curaçao!) oder im Hostel nach einer Trinkstation Ausschau zu halten. Übrigens ist es immer gut, kaputte Schuhe oder ein altes T-Shirt erst zurück in der Heimat zu entsorgen, da viele Länder über kein Recyclingsystem verfügen und somit die Produkte einfach verbrannt werden, was die Umwelt unglaublich belastet.

Ein großes Missverständnis ist auch, dass Eco-Lodges besonders teuer sind. Verständlich, denn oftmals sind damit wunderschöne Luxushotels gemeint, die nachhaltigen Standards unterliegen. Eine ökologische Unterkunft zu finden geht aber auch ganz einfach im Hostel-Bereich. Wenn das Holz der Möbel nicht aus dem Regenwald kommt, das Essen aus regionalen Produkten gekocht oder die Energieversorgung mittels Solaranlagen sichergestellt wird, hast du bereits eine richtig tolle Unterkunft gefunden!

Das perfekte Reiseziel: Costa Rica

Rund 25 Prozent Landfläche und Teile der Küstengewässer Costa Ricas wurden bereits vor Jahrzehnten als Naturschutzgebiete ausgeschrieben – man kann hier also wirklich von einer Pionierarbeit in Sachen Ökotourismus sprechen! 1999 wurde dann sogar ein Zertifikat eingeführt, das CST, welches die Unterkünfte des Landes in die jeweiligen Stufen der nachhaltigen Entwicklung einteilt. In Costa Rica bist du umgeben von Dschungel, Regenwäldern und traumhaften Stränden. Umso wichtiger ist es, die Natur Costa Ricas auch als Tourist zu schützen – nur wie?

Buche ein Öko-Hostel

Öko-Hostels gibt es hier nämlich wie den Sand am Meer. Wie wäre es mit der Cerro Chato Eco Lodge? Gäste bezeichnen dieses kleine, abgelegene Hostel als privates Resort mitten im Dschungel, von welchem aus man direkt auf den Vulkan schauen kann. Die kleinen Bungalows sind perfekt, um der Natur wieder näher zu kommen und das authentische costa-ricanische Frühstück machen diese Eco Lodge zur besten Wahl für einen La Fortuna-Aufenthalt. Über das ganze Land verteilt findest du Homestays und Hostels, die nachhaltigen Standards unterliegen und durch das CST-Zertifikat (Costa Rica’s Sunstainable Tourism) gekennzeichnet und kategorisiert sind – ein schöner Nebeneffekt ist, dass die Betreiber grüner Unterkünfte meist offene und freundliche Menschen sind, die sich sehr auf deinen Besuch freuen und Näheres zum Thema Nachhaltigkeit erklären.

Bewege dich mit dem Rad fort

Verzichte auf den Roller und schwing dich auf’s Rad! In touristischen Zentren, wie zum Beispiel dem Hippiedorf Puerto Viejo, gibt es bequeme Cruiser für Tagesausflüge oder länger zu mieten. Mit dem Rad bist du zwar langsamer unterwegs, aber der Natur näher – außerdem gehört das Prinzip des Slow Travels genauso zum nachhaltigen Tourismus wie die Natur durch verminderte Abgase zu schützen. Was gibt es Schöneres, als durch Palmenwälder zu fahren und den vielen Urwaldgeräuschen zu lauschen? Das Rattern eines Rollers macht das unmöglich.

Die wirtschaftliche Säule – ansässige Unternehmen unterstützen

Eins vorweg: Tourismusangebote, egal ob internationale Hostelketten oder ortsansässige Unterkünfte, können der Wirtschaft jedes Landes unter die Arme greifen und das ist toll. Große Hotelketten mit All-Inclusive-Angeboten werden aber oft von außerhalb operiert, das heißt, wenn du die Wirtschaft des Urlaubslandes und die Menschen vor Ort direkt unterstützen willst, solltest du große Hotelketten umgehen und eine Unterkunft buchen, die von Einheimischen geleitet wird. Das Gleiche gilt für Unternehmungen: Hat dir ein lokaler Fischer eine Rundfahrt mit seinem eigenen Boot angeboten? War der Guide im Nationalpark richtig engagiert und freundlich? Dann lass doch lieber ein bisschen mehr Trinkgeld zurück, als du normalerweise gibst und empfehle sie weiter.

Das perfekte Reiseziel: Malawi

Du hast richtig gelesen. Das kleine Land in Südostafrika, das zu einem der ärmsten der Welt zählt, grenzt unter anderem im Nordosten an Tansania und im Westen an Sambia – gerade deshalb lohnt es sich, Malawi bei einer Reise in die Region mit auf die Bucket-List zu schreiben. Der Tourismus ist noch kaum angekommen, obwohl das Land den neuntgrößten See der Erde, den Malawisee, ein Bergmassiv zum Wandern, Teeplantagen und Strände beherbergt. Schnell hin da und der Wirtschaft des Landes unter die Arme greifen!

Hostels, die von Einheimischen geführt werden

In Malawi gibt es viele Hostels, die von Einheimischen hochgezogen wurden. Je mehr Locals in den Ablauf des Tagesgeschäfts einbezogen sind, umso besser. Wo das richtig gut funktioniert, ist im Pakachere Hostel in Zomba. Mitten in der grünen Natur gelegen, ist das Hostel ein super Anlaufpunkt für deine Zeit in Zomba, ein kleiner Ort, der sich an einem traumhaft schönen Plateau befindet, das sich ideal zum Wandern eignet. Abends ist das Packachere ein beliebter Treffpunkt für viele Expats, Einheimische und Traveller, es werden auch regelmäßig Spieleabende angeboten. 

Manche Unterkünfte in armen Ländern unterstützen übrigens diverse Hilfsorganisationen, das heißt, du kannst vor Ort einen Betrag spenden oder Hilfsgüter abgeben und weißt sicher, dass alles dort ankommt, wo die Unterstützung benötigt wird.

Lokale Anbieter bevorzugen

Bei der Fortbewegung kannst du in einem der günstigen Minibusse Platz nehmen, hier musst du nur viel Zeit mitbringen, denn der fährt erst los, wenn er voll ist, was Stunden dauern kann. Falls du einen Mietwagen bevorzugst, dann tu dich mit ein paar Leuten aus dem Hostel zusammen und bucht ihn vor Ort bei einem Anbieter und nicht online. Und wenn es dich auf eine Safari verschlägt, dann frag lieber nach einem Guide, als selbst mit dem Auto durch den Park zu fahren. Der Parkangestellte kennt sich besser aus, kann dir so viel mehr zeigen, was du selbst übersehen würdest (z.B. Tierspuren), du kannst ihn alles fragen, was du wissen willst, und im Anschluss ein gutes Trinkgeld geben. Deal?

Die soziale Säule – Kultur und Menschen respektieren

Dieser Aspekt ist komplex, denn er schließt viele Dinge mit ein. Um nur ein paar negative Punkte zu nennen, die ein unüberlegter Tourismus nach sich ziehen kann: Menschenrechtsverletzung, moderne Sklaverei und Missachtung kultureller Traditionen. Vieles siehst du nicht und ist dir deshalb nicht bewusst, deshalb mach dir hier keine Vorwürfe, sondern informiere dich einfach für die nächste Reise:

Fliegst du in ein armes Land? Dann schau doch mal auf Pack For A Purpose vorbei, wo zusammengefasst wird, welche Hilfsgüter du wohin mitbringen kannst.

Achte außerdem auf die kulturellen Gebräuche vor Ort. Den Menschen generell respektvoll gegenüber zu treten und Interesse am jeweiligen Land zu zeigen, ist ein wichtiger und erster Punkt, um dein Auge für kulturelle Unterschiede und soziale Missstände zu schärfen.

Das perfekte Reiseziel: Indien

Ein Besuch dieses riesigen Subkontinents gleicht einer einzigen Überraschungstüte. Im ganzen Land warten unglaubliche Tempel auf dich und du kannst in Kontakt kommen mit verschiedenen Glaubensrichtungen, kulturellen Riten und Menschen verschiedenen Ursprungs. Auch wenn Inder meist sehr freundlich, hilfsbereit und neugierig sind, kann die Armut und mangelnde Hygiene vorerst schocken. Wo, wenn nicht hier den Horizont erweitern, Dinge hinterfragen und gleichzeitig anderen Menschen vorurteilsfrei begegnen?

Andere Kulturen respektieren

Indien ist ein Vielvölkerstaat. Über 100 Sprachen werden hier gesprochen, unzählige Glaubensrichtungen und Kulturen fließen hier ineinander. Mit knapp 80 % ist der Hinduismus am weitesten verbreitet, gefolgt vom Islam und anderen Religionen. Wichtig ist hier, dass du dich vor oder während der Reise über die jeweiligen Regionen in deinem Reiseführer oder online informierst, denn der Subkontinent ist riesig und genauso unterschiedlich sind die einzelnen Staaten. Wenn du dich an kulturelle Vorgaben hältst, wie beispielsweise die Schuhe vor dem Betreten eines Tempels ausziehen, werden dir in diesem Land sämtliche Türen geöffnet.

Wer alleine unterwegs ist oder sich gerade am Anfang mit anderen Reisenden austauschen und für Ausflüge zusammentun möchte, kann Reisegefährten und offene Gespräche in Hostels finden. Eine tolle Unterkunft ist das Wanderers Nest Hostel in der Hauptstadt von Rajasthan, Jaipur, das sich sogar zur Aufgabe gemacht hat, Plastikmüll zu reduzieren und lokale Gemeinschaften zu unterstützen.

Einheimischen offen gegenübertreten

Gerade in Indien werden Touristen oftmals angeschaut und angesprochen. Das kann im ersten Moment gewöhnungsbedürftig sein, aber wenn du bereit bist, dich fremden Menschen zu öffnen, dann probiere es in Indien! Viele werden Fotos mit dir machen wollen, gerade weiblichen Reisenden werden oft auch einheimische Babys in den Arm gedrückt, denn das soll Glück bringen. Manchmal ist die unbändige Aufmerksamkeit anstrengend, befremdlich und ermüdend – und du bist kein Roboter, du kannst also auch mal „nein“ sagen. Aber in den meisten Fällen ist der Austausch total interessant und hilft dir beim Blick über den Tellerrand. Außerdem bist du aus einem bestimmten Grund hierher gekommen, nämlich, um eine neue Kultur kennenzulernen – also los!

Soziale Projekte sinnvoll unterstützten

Viele Traveller wollen gerne helfen und vergessen dabei, dass Hilfeleistung richtig komplex ist. Wenn du beispielsweise ein Praktikum in einem Waisenhaus in Indien machst, merkst du erst beim Abschied, wie schwierig es für die Kinder ist, dich wieder gehen zu lassen, weil emotionale Bindungen entstanden sind, die (wieder und wieder) auseinandergerissen werden. Was kannst du also abseits dessen tun? Zum Beispiel soziale Einrichtungen durch bewussten Konsum unterstützen, das geht sogar ganz einfach von zuhause: Das deutsche Label Glimpse Clothing bietet beispielsweise indischen Frauen einen sicheren Arbeitsplatz und rettet sie aus Gewaltspiralen. Ein weiterer Tipp: Hilfsorganisationen vor der Abreise anschreiben und fragen, welche Güter (Stifte, Bücher, Kreide) benötigt werden und ein paar sinnvolle Produkte mit ins Gepäck packen.

 

Die Verantwortung, unsere Welt nachhaltig zu bereisen, liegt bei uns. Das macht nicht immer ausschließlich Spaß, aber genau darum geht es ja beim Reisen – über den Tellerrand und hinter Fassaden zu blicken. Wollen wir in zwanzig Jahren noch so reisen können, wie wir uns das vorstellen? An klaren Bergseen stehen, an sauberen Stränden spazieren gehen? Anderen Kulturen gegenüberzutreten und mal was ganz Neues kennenzulernen? Dann sollten wir uns schnell dazu entscheiden, nachhaltiger und bewusster zu reisen. In der Praxis ist das gar nicht so schwierig. Wir müssen nur endlich anfangen.

Über die Autorin

Anika Landsteiner schreibt auf ihrem Blog über (nachhaltiges) Reisen, Momentaufnahmen und über das Leben zuhause und unterwegs. Folge ihr auch auf Instagram. Ihr Buch „Gehen, um zu bleiben“ gibt es seit Mai 2017 zu kaufen.

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Über den Autor

Rayhana El-Mahgary

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