Farmarbeit in Australien: Alles, was du von der Jobsuche bis zum Visum wissen musst

Farmarbeit in Australien: Alles, was du von der Jobsuche bis zum Visum wissen musst

Fast jeder Backpacker in Australien ist mindestens ein Mal auf seiner Reise über den Begriff „Farmwork” gestolpert, denn die Arbeit auf einer Farm Down Under ermöglicht dir ein weiteres Jahr in Australien, während du dabei noch ordentlich für deine Weiterreise sparen kannst. Du bist gerade dabei, dein Farm-Abenteuer zu planen? Was zunächst nach harter Arbeit klingt (ist es auch), wird von vielen Backpacker als beste Zeit ihres Lebens beschrieben, denn so lernst du neue Travel-Buddies, das Leben im Outback und schließlich das wahre Australien abseits der Touristenpfade kennen, während du – nicht zu vergessen – deine Reisekasse um so einige Dollar aufstockst. Allerdings kann die Jobsuche ganz schön verwirrend sein und generell kommen viele Fragezeichen auf, wenn das Thema Farm im Hostel angesprochen wird. Als ich mich anfangs damit auseinander gesetzt habe, war das ganze ein Puzzle, was erstmal zusammen gesetzt werden musste. Aber keine Sorge, nach diesen Tipps bist du ein Experte und düst schon bald mit dem Traktor über die australischen Felder. Oder treibst die Kühe durchs Outback. Oder sammelst Erdbeeren in den Tropen… Und, nicht zu vergessen, darfst schließlich ein weiteres Jahr in Australien bleiben! (sorry, Mama)

Die Regeln des „Second year Holiday Visums“

Wer, wie, was: Ort-, Zeit- und Jobanforderungen

Das erste Working Holiday Visum kannst du ganz einfach bei der australischen Regierung beantragen und danach ein Jahr in Australien leben und arbeiten (good news, mate). Beim zweiten Visum wird der Prozess leider etwas schwieriger und benötigt (1) bestimmte Arbeiten in (2) bestimmten Regionen für (3) eine bestimmte Zeit. Um die Rechte auf ein zweites Visum zu bekommen, muss der Job in den regionalen Gebieten Australiens gemacht werden, also all die Orte, die so weit von einer Stadt entfernt sind, dass man bei uns schon fast in ein anderes Land reisen könnte. Achte also bei deiner Wahl darauf, dass die Postleitzahl im zugelassenen Bereich liegt und die Arbeit somit zur „regionalen Arbeit” wird. Eine Liste der möglichen Postleitzahlen findest du auf der Website der Australischen Regierung. Zudem ist es wichtig, dass es sich um einen bezahlten Job handelt. In der Vergangenheit zählte auch freiwillige Arbeit für das Visum, nun müssen die Arbeitsstunden insgesamt einem Vollzeitjob entsprechen. Die Jobs umfassen meist Farmarbeit, also alles, was du dir vom Gemüse ernten über Bäume pflanzen bis hin zur Arbeit mit Tieren vorstellen kannst. Zudem zählen auch allgemeinere Arbeiten AUF einer Farm, Jobs auf Fischerbooten, Minenarbeiten oder Handwerksarbeiten in regionalen Gebieten dazu. Du siehst also, die Auswahl ist groß und du findest bestimmt etwas, was zu dir passt – egal, ob erfahrener Handwerker oder (so wie ich) absoluter Farmarbeits-Newcomer.

📍Cardwell, Queensland 

Da “Was” und “Wo” nun geklärt wären, fehlt nur noch die Frage nach “wie lange” – und genau das wirft die meisten Fragen auf (zugegeben, es gehört auch etwas Rechnen dazu). Die generelle Regel lautet, dass du 88 Tage Farmarbeit erledigen musst, wenn du dich für das zweite Visum bewerben möchtest. Solltest du das Ganze in nur einem Betrieb erledigen, werden auch deine freien Tage gezählt, sodass du nur drei Monate arbeiten musst, in denen du das australische Outback erleben und eine Menge für deine Reise sparen kannst, denn hier gibt es nicht viele Versuchungen, deine hart verdienten Dollar wieder auszugeben. Solltest du deine Farmarbeit jedoch unterbrechen oder den Betrieb wechseln, müssen volle 88 Tage gearbeitet werden – und das kann dauern. Wenn du also weißt, dass du zwei Jahre in Australien verbringen möchtest, fange am besten früh damit an, deine Tage zu sammeln oder finde einen Job, den du auch drei Monate machen kannst in einer Gegend, die du für diese Zeit dein Zuhause nennen möchtest (was im schönen Australien ja nicht so schwierig ist).

Neuerungen ab 2019 

Die Regierung Australiens hat angekündigt, ein drittes Working Holiday Visum ab Juli 2019 einzuführen. Demnach sollen Backpacker die Möglichkeit bekommen, ein drittes Jahr zu bleiben, wenn sie während des zweiten Jahres 6 Monate Farmarbeit absolvieren. Die Regeln für das zweite Visum gelten nach wie vor.

Tricks, Tipps und nützliche Infos für die Bewerbung

Du hast es geschafft und einen Farm-Traumjob gefunden? Du kannst dich nun zwar (mehr oder weniger) entspannt zurücklehnen, jedoch gibt es einige wichtige Dinge, die noch auf die Liste gehören. Mit jedem Gehalt bekommst du einen sogenannten Payslip, also die Gehaltsabrechnung, den du unbedingt behalten solltest. Eventuell wird bei deiner Bewerbung für ein weiteres Visum deine Arbeit überprüft, sodass du diese als Beweis einreichen kannst (ja, Papierkram ist nervig, aber glaub mir, kein Papierkram ist in solchen Fällen noch viel nerviger).

Wenn du dich bewirbst, behalte auch den Zeitraum im Auge, denn Bewerbungen wurden innerhalb von einigen Sekunden bis hin zu einigen Monaten genehmigt. Wenn du dich bei der Bestätigung deines Visums außerhalb von Australien befindest, wird es gültig, sobald du wieder den australischen Boden berührst. Solltest du innerhalb des Landes auf dein neues Visum warten, ist es wichtig, dass du für die Bestätigung noch im Lande bist. Wenn sich dein erstes Visum schon vorher dem Ende neigt, musst du dir keine Sorgen machen: Du wirst dann in der Zwischenzeit auf eine Art “Überbrückungs-Visum” gesetzt, mit dem du wie gewöhnlich in Australien weiter leben und arbeiten (und so gesehen sogar länger als Working-Holiday Backpacker im Lande bleiben) darfst – Jackpot!

Andere Saison, anderes Bundesland

Australien ist SO groß, dass es sich in viele Klimazonen aufteilt: Vom tropischen Norden über das trockene Outback bis hin zum milden Süden gibt es verschiedene Jahreszeiten und Saisons, sodass du das ganze Jahr über Jobs auf verschiedenen Farmen finden kannst, falls du nicht bereits ein bestimmtes Gebiet ins Auge gefasst hast. Damit du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, gibt es hier eine kleine Übersicht der verschiedenen Regionen.

Northern Territory

Die Saison dauert im Norden Australiens theoretisch das ganze Jahr an, jedoch empfehle ich dir, dort im australischen Winter von März bis September einen Job zu suchen. Die Temperaturen sind angenehm und weniger Regenfälle machen die Arbeit um so einiges einfacher. Zudem ist es auch die beste Reisezeit für den Norden, sodass du neben der Arbeit die Nationalparks, und dein Backpacker-Leben so richtig genießen kannst. Schaue dich am besten nach Wassermelonen-, Zitronen-, Bananen- und Gemüsefarmen um und vergiss nicht, einen Abstecher ins unglaubliche Outback zu machen.

New South Wales

Erlebe den australischen Sommer von Dezember bis April auf einer Farm in New South Wales. Hier findest du in diesen Monaten Jobs auf Apfel-, Baumwoll-, Kirsch- und Spargelplantagen und kannst deine Wochenenden mit Roadtrips in die atemberaubenden Nationalparks oder Surfen an der wilden Küste verbringen.

📍Port Stephens, NSW 📸 @sarahheu

Queensland

Die australische Ostküste bietet nicht nur Party und Greyhound-Touren (obwohl das natürlich auch ziemlich cool ist). Viele Farmen, unter anderem für Bananen, Zucker, Baumwolle, Mangos, Avocados und vieles mehr suchen fast ganzjährig Backpacker, um dort auszuhelfen (meistens in den Monaten von Dezember bis Februar sowie April bis August). Ich habe auf einer Bananenfarm in der Nähe von Innesfail gearbeitet, was weder weit von dem Great Barrier Reef in Cairns, noch von Mission Beach, Magnetic Island oder den Whitsunday Islands entfernt ist. Außerdem gibt es viele, unbekannte Wasserfälle und kleine Oasen in den Tropen des Ostens (um nur einige der vielen Highlights zu nennen). Du könntest während deiner Zeit also problemlos die Hauptattraktionen der Ostküste erkunden, während du deine Farmtage erledigst. Mehr Work and Travel geht nicht, oder?

📍Cardwell, Queensland 📸 @sarahheu

Western Australia

Places to visit in Western Australia @theneverlandboys Esperance

📍Esperance, Western Australia @theneverlandboys.co

Im wilden Westen kannst du ganzjährig Farmjobs finden, je nachdem, welches Ende du wählst. Der australische Sommer eignet sich am besten für Orte im Süden, wie zum Beispiel Margaret River, wobei die Monate von April bis September die Hauptsaison für die nördlichen Gebiete, wie Broome, sind. Neben Weinbergen im Süden und Mangos im Norden findest du auch Jobs in Fischereien, also pack die Angel ein und schnapp dir den Job!

Victoria und der Süden

Alles zwischen Melbourne und Adelaide (regional gelegen, versteht sich) eignet sich am besten von November bis April. Hier hast du unter anderem die Wahl zwischen Kirschen, Äpfeln, Pfirsichen und – wenn du gerne mal etwas für dein Nachtleben tun möchtest – Wein und Tabak. Zudem gibt es viele Milchproduktionen und Reiterhöfe, sodass du hier auch mit Tieren arbeiten kannst.

📍Wilsons Promotory Nationalpark, Victoria 📸 @sarahheu

Tasmanien

Tasmanien ist die kleine Insel im Süden, die so einige faszinierende Landschaften zu bieten hat und von vielen Backpackern gerne als Farmwork-Ort gewählt wird. Da es hier in den australischen Wintermonaten ziemlich kalt werden kann, suchst du am besten zwischen Januar und Mai nach einem Job. Mach dich bereit für Äpfel, Trauben, weite Berglandschaften, tiefblaue Seen, freundliche Locals und eine unvergessliche Zeit.

  📍Tasmanien

Wie finde ich eine Farm?

Viele Wege führen auf die Farm und generell findet man mit ein wenig Planung schnell einen Job. Da Farmarbeit unter Backpackern sehr beliebt ist, hilft es jedoch sehr, die richtigen Methoden zu kennen. Leider kann es oft passieren, dass sich zu viele Reisende auf einmal bewerben, du lange auf einen Platz warten musst oder das Angebot nicht legitim ist. Damit dir das nicht passiert, gibt es hier die besten Anlaufstellen, bei denen garantiert nichts schief geht.

National Harvest trail Service

Ja, Australien hat eine Hotline für Farmen und ja, sie ist tatsächlich nützlich! Hier können Farmen ihre offenen Stellen auflisten, inklusive Kontaktdaten, Ort und Dauer. Dabei kannst du dir sicher sein, dass das Angebot legitim ist und du auf einer seriösen Farm landest, da die Seite von der Regierung finanziert wird. Zudem hilft dir der Service bei Fragen rund um das Thema Farmarbeit sowie beim Check einer Farm, die du selbst gefunden hast.

Jobseiten

Viele Farmer teilen ihre Angebote auf australischen Jobseiten, wie zum Beispiel Gumtree. Wer Gumtree kennt, weiß, dass es die erste Anlaufstelle für Jobsuchende ist. Und für den Autokauf. Und eigentlich für alles, was man sich im Internethandel vorstellen kann, daher haben einige Angebote unter anderem um die Tausend (oder mehr) Bewerber und du musst viel Glück haben, einen Treffer zu landen. Es gibt auch einige Webseiten speziell für Farmarbeit, pass dabei nur darauf auf, dass diese seriös sind und nicht nach einer Gebühr fragen. In der Regel empfehle ich, diese Seiten zwar im Auge zu behalten, dich jedoch nicht komplett darauf zu verlassen.

Empfehlungen

Du kennst bereits Reisende, die schon auf einer Farm gearbeitet haben? Dann, mein Freund, sitzt du quasi direkt an der Quelle. Nach Empfehlungen zu fragen klingt zunächst offensichtlich, jedoch ist es eine der effektivsten Möglichkeiten und kann deinen Such-Prozess um so einiges verkürzen. Wenn du also im Hostel bist, frage Reisende danach, ob sie ihre Farmarbeit bereits erledigt haben. Du bekommst die Gewissheit, einen guten und fairen Job zu ergattern und eine Vorstellung von dem, was auf dich zukommt und wie du dich am besten dafür bewirbst. Ich habe damals jeden Hostel-Bewohner ausgefragt und so einige, hilfreiche Tipps bekommen. Frage auch direkt, ob du mit dem Farmer persönlich in Kontakt gebracht werden kannst, denn sollte es eine Warteliste geben, kannst du durch Kontakte, die dich weiter empfehlen, so einige Plätze nach oben rutschen. Es geht nichts über ein wenig Vitamin B.

Facebook

Nicht nur Hostels sind eine gute Quelle für Empfehlungen: Wenn du bei Facebook stöberst, findest du so einige Gruppen, die dir bei der Suche nach deiner Traumfarm helfen können, zum Beispiel Farm Work Australia oder Backpacker Jobs in Australia. Hier kannst du dich mit anderen Backpackern austauschen, die bereits auf einer Farm waren oder sich gerade dort befinden, einen Nachfolger suchen oder ihre Erfahrungen teilen. Zudem kannst du selbst Fragen stellen und dich mit anderen Reisenden zusammentun, um gemeinsam die Jagd nach dem Farm-Job zu beginnen. Hier findest du meist die besten Empfehlungen, falls du niemanden kennst, der bereits Erfahrungen gesammelt hat und kannst zudem andere Backpacker kennenlernen, die das gleiche Ziel verfolgen – gemeinsam sucht es sich doch am schönsten.

Working Hostels

Du willst viele Backpacker kennenlernen, während jemand anderes deinen Farmjob organisiert? Das klingt zwar zu schön, um wahr zu sein, aber genau das bekommst du in so genannten Working Hostels. Insbesondere an der Ostküste findest du so einige davon, zum Beispiel das Central Backpackers in Coffs Harbour, sie sind jedoch auch in Süd-Australien eine beliebte Anlaufstelle, zum Beispiel das Mildura International Backpackers. Die Besitzer der Hostels stehen in Kontakt mit lokalen Farmen und vermitteln dementsprechend die Jobs. Ich habe während meiner Zeit auf der Farm in einem Working Hostel gewohnt und dadurch viele Backpacker aus der ganzen Welt kennengelernt, viele, die sogar im gleichen Betrieb gearbeitet haben. An den Wochenenden sowie freien Tagen konnten wir uns den Mietwagen des Hostels ausleihen und gemeinsam die Gegend erkunden. Campingausflüge, Nächte unter dem unbeschreiblichen Sternenhimmel, Tage an Wasserfällen, Inselhopping und ein gemeinsamer Fallschirmsprung (mit Gruppenrabatt) sind nur einige der Erlebnisse, die meine Zeit unvergesslich gemacht haben. Also rufe an oder schau vorbei, frage nach offenen Stellen und garantiere dir dabei direkt eine Unterkunft – so einfach kann es gehen!

Fahr einfach drauf los!

📍Innisfail, Queensland 📸 @sarahheu

Australien ist eines der beliebtesten Ziele für einen Roadtrip, also warum kombinierst du deine Suche nach einer Farm nicht genau damit? Wähle die Gegend, die du am liebsten entdecken möchtest, schnapp dir einen Travel-Buddy, ein paar Adressen und ein Auto und mach dich auf die Suche nach einer Farm, während du das Land erkundest. Einige Farmen, insbesondere im Westen Australiens, bevorzugen es sogar, wenn du mit deinem eigenen Auto unterwegs bist. Zudem kannst so einige Plätze in der Warteliste nach oben rutschen, wenn du persönlich vorbei schaust und dich vorstellst. Und sollte es bei der ersten Farm nicht klappen, hast du alle Freiheiten, dir die nächste zu suchen – no worries!

Und zuletzt: Mach dich bereit für die Zeit deines Lebens

Einen Farmjob zu bekommen bringt viel Mühe und viele, viele Regeln mit sich. Das alles zahlt sich jedoch am Ende aus, versprochen! Die regionalen Gebiete Australiens sind wunderschön, du wohnst meist in unmittelbarer Nähe zu den besten Nationalparks und hast dazu noch die Zeit, die Gebiete abseits der Touristenpfade genauestens zu erkunden. Miete dir ein Auto (von der Farm oder dem Working Hostel selbst) und starte einen Wochenend-Roadtrip, erlebe Sternenhimmel, Wasserfälle, Dschungel und Strände und schließe Freundschaften, die ein Leben lang halten werden, denn auch du wirst auf andere Backpacker treffen, die deine Zeit auf der Farm unvergesslich machen werden.

 

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Über den Autor

sarahheuser

All time tanned German with an obsession for beaches, sunsets and cheese.

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