Als Frau alleine reisen: Vorurteile vs. Realität

Als Frau alleine reisen: Vorurteile vs. Realität

Vor etwa einem Jahr entschloss ich mich dazu, alleine nach Südamerika zu reisen. Diese Entscheidung zog zunächst eine Vielzahl an ängstlichen und missbilligenden Reaktionen meiner Familie, von Freunden, Kollegen und sogar Fremden nach sich. Scheinbar verfolgten alle plötzlich dasselbe Ziel: Mich davon zu überzeugen, mir stattdessen doch lieber einen „sicheren Ort“ für die Reise auszusuchen. Alle schienen ganz klare Vorstellungen davon zu haben, wieso alleine reisen nichts für Frauen sei. Ich möchte hier meine eigenen Erfahrungen schildern und dir damit eine Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen. Und zwar eine andere, als die panischen Blicke deiner Liebsten.

Vorurteil: Du wirst einsam sein

REALITÄT: Nein, wirst du nicht. Zeit alleine zu verbringen ist gesund, und Frauen sind – ja, wirklich! – bestens dazu in der Lage, alleine zu sein, ohne sich dabei ängstlich in einer Zimmerecke zusammen zu kauern. Du wirst potentielle neue Freunde finden – manche wirst du kennenlernen wollen, bei anderen wirst du das alleine sein vorziehen. Neue Freunde warten überall – an Busstationen, in Bars, in Schlafsälen. Du wirst schnell merken, mit wem du wirklich ein Bier trinken oder gar einen Tag verbringen willst, und mit wem nicht. Du wirst außerdem lernen, dass alleine sein viel besser ist, als mit jemandem abzuhängen, der dich nicht wirklich interessiert, nur um Gesellschaft zu haben.

Und ganz ehrlich: Alleine auf Entdeckungstour zu gehen kann wahnsinnig viel Spaß machen. Und wenn das Verlangen nach zwischenmenschlichem Kontakt in dir aufkommt, schnapp dir einfach ein Bier in deinem Hostel. Du wirst sehen, noch bevor du dich hingesetzt hast, hast du schon neue Trinkkumpanen gefunden.

Vorurteil: Du kannst dich nicht orientieren

REALITÄT: Ja, die grundlegende Fähigkeit, Stadtpläne zu lesen, ist eine Schlüsselfähigkeit, die du brauchen wirst, um dich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Und ja, es zahlt sich aus, Norden von Süden unterscheiden zu können. ABER: Es wird dich nicht umbringen, wenn du dich verläufst. Erstens können sich die meisten Frauen mit Jedi-ähnlichen Fähigkeiten rühmen, wenn es ums Karten lesen geht. Die Behauptung, dass wir dazu nicht in der Lage sind, wurde nie wissenschaftlich belegt. Wir meistern auch unser alltägliches Leben – wieso sollten wir dazu plötzlich unfähig werden, nur weil wir in einem fremden Land sind?! Und bist du, so wie ich, jemand, der nur einen kurzen Blick auf eine Karte wirft und dann in die Richtung geht, die am interessantesten aussieht – umso besser!

Klar, du solltest wissen, welche Viertel der Stadt du besser meiden solltest, aber abgesehen davon bist du unterwegs, um neue Orte zu entdecken – sich zu verlaufen kann viel besser sein als die ausgetretenen Pfade zu gehen. So habe ich Limas Schreibwaren-Bezirk entdeckt – und mich mit peruanischen Post-It-Zetteln eingedeckt!

Vorurteil: Du bist die ganze Zeit über in tödlicher Gefahr

REALITÄT: Spoiler! Die Welt ist ein wundervoller Ort. Das merkst du, wenn du dich dazu entschließt, hinaus zu gehen und sie zu sehen, statt dich von allen möglichen potentiellen Gefahren davon abhalten zu lassen. Ja, du musst deinen Verstand einschalten und nicht mitten in der Nacht an Orten herumlaufen, die du nicht kennst – aber würdest du das zuhause machen? Wahrscheinlich nicht. Dass du als Frau alleine unterwegs bist, heißt noch lange nicht, dass jeder dir etwas antun will. Eher im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, dass mir dadurch viele Menschen helfen wollten. Mir streichelte eine alte Dame das Haar – den ganzen Weg von der chilenischen Grenze bis zum ersten Stopp in Peru -, nur weil ich ihr erzählt habe, dass ich alleine unterwegs bin. Sie dachte wohl, ich bräuchte ein wenig mütterliche Liebe. Sie hatte recht.

Ein anderes Mal ergriff eine Frau in einem Bus in Ecuador meine Hand und nannte mich im Fünfminutentakt „stark“, weil ich alleine reiste. Die Liebenswürdigkeit, die ich von Fremden erfahren habe, die ihre Decken mit mir in eiskalten bolivianischen Bussen teilten oder die verwundert darüber lachten, wie weiß meine Arme sind, hat alle negativen Aspekte aufgewogen. Versteh mich nicht falsch: Natürlich kannst du nicht in der Annahme herumlaufen, dass jeder dein Freund sein möchte – wir leben schließlich nicht in Disney World. Sei dennoch nicht zu misstrauisch, die meisten Menschen haben gute Absichten!

Vorurteil: Frauen sind nicht für das einfache Backpacker-Dasein gemacht

REALITÄT: Es gibt einem eine gewisse Befriedigung, wenn man einen Schlafplatz findet, der soviel kostet wie ein Hot Dog – und dieses Gefühl ist nicht nur Männern vorbehalten. Ich liebe Schnäppchen, also solange sich die Tür und das Fenster verschließen lassen und ein Luftzirkulationssystem vorhanden ist– sei es ein Ventilator, eine Klimaanlage oder eine leichte Abendbrise -, bin ich zufrieden. Frauen brauchen keine luxuriösen Hotels mit Haartrockner und Bügeleisen beim Backpacken. Shorts müssen nicht gebügelt werden und Haartrockner sind sowieso fast vollkommen überflüssig in den meisten Orten in Südamerika (zumindest in denen, die auf Meereshöhe liegen). Du willst deine Haare trocknen? Stell dich für 12 Sekunden vor die Tür – erledigt.

Über die Autorin:

Amy Baker ist Autorin und lebt momentan in London. Vor einem Jahr hat sie ihren Rucksack gepackt und ist alleine durch Südamerika gereist.

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Über den Autor

Viktoria Troescher

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